10. September 2022

Millionen für Haltbarkeit

Bitterfelder Zeitung vom 03. September 2022

VON ULF ROSTALSKY

In Bitterfeld baut die beachemie GmbH eine Anlage zur Herstellung von Salzen für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Produktionsstart ist Anfang 2023.

BITTERFELD/MZ – Schwere Technik hat die große Fläche in Form gebracht. Bodenplatten und Fundamente sind gegossen. Das Stahlskelett eines Teils der späteren Produktionsstätte steht, wird gerade verkleidet. „Seitdem die Baugenehmigung vorliegt, geht es hier Schlag auf Schlag. Viele kleine Atome verbinden sich und formen nach und nach unser Werk“, sagt Oliver Kolbe. Er ist Geschäftsführer der beachemie GmbH, die einer Brache in der Bitterfelder Parsevalstraße Leben einhauchen will.

Ein neutraler Fußabdruck
Für gut zehn Millionen Euro entsteht hier mitten im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen eine Anlage zur Herstellung von Zusatzstoffen für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Es geht um Konservierung und Säureregulierung. Und es geht „um die Salze der Essigsäure“, wie Kolbe betont. Das Bitterfelder Produkt – mit Produktionsstart Anfang 2023 sollen 25.000 Jahrestonnen hergestellt werden – wird an diverse Weiterverarbeiter geliefert. „Und es findet sich wirklich überall. Im Brot, bei Fleisch, im Pharmabereich. Eigentlich überall dort, wo es um Haltbarkeit geht.“

Oliver Kolbe will nicht zu sehr ins Detail gehen, bemüht aber die Geschichte. „Wie hat man früher in der Seefahrt Fleisch haltbar gemacht? Mit Pökelsalz.“ So ähnlich laufe das mit dem neuen Produkt von beachemie auch. Nur eben mit viel feinerer Körnung, mit sehr viel weniger Materialeinsatz und mit einem Produkt aus einer Fertigungsstätte, die einen neutralen CO2-Fußabdruck vorweisen könne. Das Dach der Produktionsanlage in Bitterfeld wird komplett mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Die produzieren so viel Strom, wie die Anlagen darunter zum Laufen brauchen. Außerdem wird die im Produktionsprozess anfallende Abwärme gleich mehrfach genutzt: zum Trocknen der gewonnenen Salze und zum Heizen der Hallen. So etwas umsetzen zu können, hat nicht zuletzt mit dem Standort zu tun. „Wir haben noch nie auf der grünen Wiese von Null an gebaut. Hier können wir alles nach unserem Bedarf ausrichten“, betont Geschäftsführer Kolbe und verweist auf einen weiteren Bitterfelder Trumpf: Beachemie braucht für die Produktion ihres Salzes Natronlauge und Essigsäure. Beide gehören im Chemiepark zu den Standardchemikalien. „Sie sind in der Nachbarschaft da. Das spart Transportwege“, so Kolbe, der einen weiteren Fakt nicht unerwähnt lassen möchte.

Bio kommt ins Spiel
Beachemie setzt auch rein biologisch gewonnene Essigsäure ein – aus Äpfeln oder Trauben zum Beispiel. Langfristige Lieferverträge sind geschlossen. Unter Umständen ist das ein zusätzlicher Pluspunkt. Momentan ist Bio billiger als reine Chemie. Wie lange, kann Oliver Kolbe nicht sagen. „Es geht heute alles schnell nach oben und irgendwann auch wieder runter mit den Preisen.“ Warten auf günstigere Zeiten, etwa bei den Baupreisen, kam dennoch nicht in Frage. Der Bedarf ist da. Die Bitterfelder Anlage soll schnell zum Laufen kommen.

Der Zeitplan des Unternehmens steht. Am 15. September wird Richtfest gefeiert. Im ersten Quartal 2023 soll produziert werden – mit zunächst 20 bis 30 Mitarbeitern.

Der Aritel in der Bitterfelder Zeitung
Bitterfelder Zeitung v. 03.09.2022 (pdf)
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